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Waldwildnis in den Nationalen Naturlandschaften

Mit dem Begriff Wildnis verbindet sich heute unsere intensivste Vorstellung von ursprünglicher unverfälschter Natur. Und gerade deshalb, weil dies unsere Vorstellung ist, ist Wildnis ein ausgesprochen kulturelles Phänomen.

Wildnis entzieht sich daher auch einer exakten Definition, sie lässt sich nur annähernd beschreiben, wie es in den Kategorien der IUCN geschehen ist oder in der Beschreibung des BfN für Wildnisgebiete und Wildnisentwicklungsgebiete in Deutschland versucht wurde. Gemeinsam ist allen Beschreibungen von Wildnis, dass sie den Einfluss von Menschen auf natürliche Prozesse ausschließen.

In Deutschland ging man lange davon aus, dass Wildnis in dieser alten europäischen Kulturlandschaft gar nicht mehr existiere und auch nicht mehr möglich sei. Das erinnert sehr an die Diskussion der 60er Jahre, vor der Gründung des ersten deutschen Nationalparks Bayerischer Wald, dass Nationalparke in Deutschland nicht mehr möglich seien – und heute haben wir 14 davon.

Wildnis ist erst in den letzten beiden Dekaden in unserem Land ein Thema geworden und als Realität entdeckt worden. Natürlich existiert Wildnis im Hochgebirge der Alpen, natürlich existiert Wildnis in dynamischen Prozess der Küstenbildung in der Boddenlandschaft und im Wattenmeer mit seinen Sandbanken, Salzwiesen, Prielen und Dünenlandschaften. Großflächige ungestörte Moore stellen ebenfalls Wildnis dar.

In den Kernzonen der Biosphärenreservate und auf mindestens 75 % der Fläche unserer Nationalparke, wo der Mensch nicht mehr gestalterisch, lenkend, abwehrend oder gar artenschützend eingreift, sondern natürliche Prozesse bewusst zugelassen werden ohne dass von vorneherein klar ist, welchen Weg die Natur einschlagen wird, und wie – wenn überhaupt jemals – dieser Prozess enden wird, entsteht wieder Wildnis.

Wildnis als kulturelles Phänomen sperrt den Menschen nicht aus. Wildnis in der Abgrenzung zur Kulturlandschaft wird präsent durch die Wahrnehmung des Menschen, dass dies das „Andersartige“, das Wilde und Ungezähmte in seiner eigenständigen Art der Wahrnehmung seiner Lebensrechte ist.

Gemessen an der allgegenwärtigen Kulturlandschaft nehmen die Nationalparke mit ihrer Wildnis nur ganze 2,5 % unseres Landes ein. Wildnis und damit ungestörte natürliche Prozesse zuzulassen, stellt den Menschen vor erhebliche Herausforderungen, führt ihn zu emotionalen und rationalen Lernprozessen. Wildnis in den Nationalen Naturlandschaften bietet ein unverwechselbares und nachhaltig tief beeindruckendes Naturerlebnis, das auch das Heimkommen in unsere ursprüngliche natürliche Umgebung mit einbezieht.

Wildnis zeigt uns die Bandbreite der Möglichkeiten und die Vielfalt unserer natürlichen Umwelt in Deutschland und gleichzeitig die Notwendigkeit ihres Schutzes als Beitrag unseres Landes zur Bewahrung der Biodiversität und des natürlichen Erbes unseres Planeten.

foto: (c) Karol Kaliský

Karl Friedrich Sinner

Leitender Forstdirektor NP Bayerische Wald

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